Christoph Pinquart

Großfamilie Pinkwart in Pinquart

 

Seit 2 Jahren reifte der Plan, die Wurzeln vor Ort zu erforschen.

So fuhren am Donnerstag, den 26.05.05 Christoph, Regina, Nicolas, Jonas, Katharina und Verena zusammen mit Emanuel, (Sohn von Martin und Helga) von Nürnberg und Martin, Helga  mit Elena von Göttingen nach Glogow, früher Glogau.

Nachdem die 10 Pinkwarts sich im zentral gelegenen Hotel Qubus frisch gemacht hatten, eroberten sie die Altstadt und atmeten das Gefühl, dass Großvater Hugo Pinkwart wohl gehabt haben mag, als er am 07. Februar 1893 in Glogau geboren wurde und danach dort aufwuchs (er war später Studienrat und ist am Ende des 2. Weltkrieges gestorben. Sein Sohn wurde am 31. Juli 1924 in Unterlüß geboren und ist der Vater von Christoph und Martin).

Am nächsten Morgen kam Sergiusz (aus Warschau) dazu. Nicolas und Jonas gesellten sich zu ihm ins Auto, und mit 3 Autos ging es dann durch eine wunderschöne Landschaft 10 km westlich nach Gostyn, früher Gustau. Dies Dorf machte den Eindruck, als sei hier seit 150 Jahren alles beim Alten geblieben. So konnten die 11 auf der Straße spazieren gehen, auf der Wilhelm Pinkwart (Vater von Hugo), Wilhelms Vater Hermann, dessen Vater Johann Heinrich II und auch dessen Vater Johann Heinrich I in Gustau gespielt haben mögen. Als sie etwas älter waren, sind sie wahrscheinlich auch um den Kirchweihbaum herum aktiv gewesen. Hier zu sein war schon sehr ergreifend!

 

Die aktuell tragende Generation der Pinkwarts:

 

 

Christoph, Sergiusz, Martin (von links nach rechts)

 

 

-         und die Zukunft:

 

 

Jonas, Katharina, Verena, Nicolas, Elena, Emanuel (von links nach rechts). Julian (Sohn von Martin) und Wiktor (Sohn von Sergiusz) fehlen, Geschwisterchen von Wiktor ist in Erwartung

 

Nun wollten die 11 aber schauen, wo die Vorfahren getauft und geheiratet haben. So ging es ca. 2 km eine wunderschöne Allee entlang zu dem Ort Dalkow, früher Dalkau. Man spürte geradezu, wie auf dieser Allee die Vorfahren sich im feinen Sonntagsdress zur Kirche begaben. Zu erfreulichen Anlässen wie Taufe und Hochzeit, wahrscheinlich aber auch zur Beerdigung. So wurde hier Johann Heinrich I getauft (ca. 1775), und er heiratete hier auch. Der am 08.09.1800 geborene Johann Heinrich II wurde ebenfalls in Dalkau am 11.09.1800 getauft. Er wurde Häusler und heiratete hier 03.06.1823 seine Dorothea Elisabeth geb. Hahn. Johann Hermann wurde am 18.11.1837 geboren, am 22.11.1837 getauft und heiratete als Gastwirt seine Ernestine Johanna geb. Heilscher am 03.05.1864. Er ist später dann wohl aus dem beschaulichen Gustau in die Großstadt Glogau umgezogen.

Das Forschungsteam fand nun in Dalkau die Kirche und den Friedhof leider nicht mehr vor, da die Kirche nach dem 2. Weltkrieg abgetragen worden war, und mit ihr auch der Friedhof verschwunden ist. Im Wesentlichen steht hier nur noch ein Gutshaus, das jetzt von einem wohlhabenden Gärtner erworben wurde und zur Zeit wieder in Ordnung gebracht wird. Werden wir uns hier später vielleicht einmal in einer noch erweiterten Pinkwart-Großfamilie treffen? Christoph und Sergiusz machten schon mal Pläne, hier einmal mit allen Pinkwarts ein Wochenende zu verbringen, bei dem wir gemeinsam musizieren...

Gutshaus mit einladendem Portal:

 

 

Nun hieß es aber, sich in noch weitere Vergangenheit zurückzuversetzen:

 

Ca. 20 km südöstlich zum Örtchen Pinquart. Auch hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Die 11 spürten, dass der Urvater vielleicht nicht aus einer der umliegenden Zechen als Wärter der Pinge hier sein Haus baute, sondern vielleicht ein pfiffiger Römer war, der hier 4 (quart) Pinien (Pin) pflanzte und sich hier niederließ. So wurde dieser Flecken der Ort „Pinquart“, und seine Bewohner die Pinquarts. Durch Lautverschiebung entstand dann wohl Pinkwart.

 

Pinquart heißt jetzt Bienkow und war historischer Höhepunkt des gesamten Forschungsteams:

 

 

Helga, Sergiusz, Katharina, Elena, Jonas, Nicolas, Regina, Emanuel, Verena, Christoph, Martin (von links nach rechts)

 

Das Gespräch mit einem Einheimischen ergab, dass der Ort, wie die anderen Orte in Schlesien auch, am Ende des zweiten Weltkrieges leer stand. So zogen hier zwangsumgesiedelte Ostpolen ein. Diese richten die Häuser nicht so recht her, weil sie zur unterpreviligierten Schicht gehören und letztendlich befürchten, dass die Deutschen zurückkommen, um ihnen alles wieder weg zu nehmen. Das Forschungsteam hofft sehr, dass die Begegnung dazu beiträgt, diese Befürchtungen zu zerstreuen. Wie gut war es, dass Sergiusz das Unternehmen erklären konnte:

 

 

Sergiusz und Christoph mit Einheimischen in Pinquart

 

In der Vorstellung, dass in der Umgebung dieses Ortes auf den Friedhöfen vielleicht ein Urpinquart liegt, begab sich das Team zur nahegelegen Wallfahrtskirche in Wysoka Cerekiew, früher Hochkirch. Wie auf dem Friedhof der zweiten Kirche in der Nähe von Gostyn (Gustau) fanden die 11 weder einen Pinkwart noch einen Pinquart. Aber die Kirchen waren sehr gepflegt und die deutschen Spuren sind erhalten geblieben.

Nach einem verspäteten Mittagessen in der schön restaurierten Bergwerkstadt Polkowice, früher Heerwegen, ging es in die Bezirkshauptstadt Wroclaw, früher Breslau. Nach Erfrischung in dem ordentlichen Hotel Bacero am südlichen Stadtrand ging es mit 3 Taxis in die Innenstadt. Da mediterranes Klima herrschte, war die Stadt sehr belebt. Auf dem wunderbaren Markt- und Rathausplatz erfrischte sich die Gruppe am Bier der örtlichen Brauerei. Danach spendierte Christoph den Damen jeweils eine Rose und es ging fein Essen in eines der Restaurants des Platzes. Nachts wurde die Gruppe dann von den selben Taxis wieder zurück chauffiert.

Da die Taxis sich gegenseitig eine Stadt-Rallye geliefert hatten und auch nicht ganz billig gewesen waren, ging es am nächsten Morgen mit den eigenen Autos in die Stadt: auf einen bewachten Parkplatz an der Oper. Nach Umtausch des Geldes erwarb man die bereits vorbestellten Karten für das Ballett „Schwanensee“, um abends keinen Stress zu haben. Danach bummelten die 11 über die Haupteinkaufsstrasse Swidnicka  ins Zentrum. Hier entschied man sich, sich zu trennen: die Damen bildeten eine Shopping-Gruppe, die jungen Herren eine Sporttruppe und die älteren eine Verschnaufgruppe.

 

Hier sieht man Christoph sich verschnaufen mit seinen Idolen John Lennon und Ringo Starr:

 

 

Die jungen Herren erklommen den Turm der St. Elisabethkirche und hatten einen super Überblick über Wroclaw:

 

 


Nach einem Rundgang durch die Stadt besuchten die Herren die Universität. Hier sieht man die fleißigen Studenten:

 

 

 

 Und hier holt sich der eifrigste Student Rat beim Professor:

 

 

Die Shopping-Gruppe erlebte, dass in Wroclaw die selben Geschäfte zu finden sind wie in Deutschland, Frankreich oder USA, da es sich um Geschäfte internationaler Ketten handelt. Die Preise sind kaum anders als in Deutschland. Bei einigen Schuhen und T-Shirts konnten die Damen allerdings nicht widerstehen...

Als die Gruppe wieder vereint war, legte sie eine besinnliche Minute ein am Mahnmal des Dietrich Bonhoeffer, der hier geboren ist. Bonhoeffer war ja ein Mitglied der bekennenden Kirche gewesen und ist in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges hingerichtet worden. Da der Großvater von Sergiusz als im Untergrund wirkender Christ durch die Nazis im KZ auch sehr leiden musste (was er zum Glück überlebte), war dieser Moment eine Besinnung auf die schicksalhafte Verstrickung der Christen in Deutschland und Polen.

Bei dem abschließenden Essen war Christoph so weit, dass er auf polnisch „Danke“ sagen konnte. Als er dies der Kellnerin gesagt hatte, kam sie allerdings und brachte ein Bier. Sie hatte statt „Danke“ verstanden „Ein Bier bitte“. So war es gut, dass Sergiusz die Lage klären konnte.

In großer Einigkeit und Verbundenheit verabschiedete sich Sergiusz von den anderen, um zu seiner Familie zurückzukehren. Die anderen fuhren zurück ins Hotel, um sich zu erfrischen. Abends ging es dann in die Oper. Da diese gerade restauriert wird, fand die Aufführung inklusiv Zuschauer auf der Bühne statt. So hatte man kein Orchester. Aber das Ballett war super und beschwingte die Zuschauer. Auch danach war die Stadt noch so voll, dass in den vielen Restaurants auf dem Marktplatz kein Platz für die Gruppe zu finden war. So aß man vor einem Restaurant einer Seitenstraße. Dank der sommerlichen Wärme war es ein Lebensgefühl wie in Verona!

Die Rückfahrt am nächsten Tag verlief auch problemlos, so dass die Familie voller Dankbarkeit auf dieses große Abenteuer zurückblickt!